Baubiologie & Labordiagnostik   Bernhard Gierok


Schwarze Wohnungen

Sie haben die Wohnung gerade frisch renoviert. Neue Tapeten und ein neuer Teppichboden im Wohnzimmer. Die Küche wurde frisch gestrichen und ein neuer PVC- Boden wurde verlegt. Das Schlafzimmer bekam eine isolierende Vinyltapete und ein teures Laminat. Die Türen samt Zargen wurden neu gestrichen, und auch die Heizkörper erstrahlen im neuen Glanz. Selbstverständlich kamen nur umweltfreundliche Lacke und Dispersionsfarben mit dem "Blauen Engel" zum Einsatz. Beim Streichen roch es kaum nach Farbe wie früher, eher angenehm nach "neu". Die ganze Wohnung ist sehr hell, und damit es auch so bleibt, haben Sie spezielle Putz- und Pflegemittel gekauft.

Das war vor vier Monaten. Jetzt stehen Sie mitten in Ihrer schönen Wohnung und glauben Ihren Augen nicht...zu trauen. Die Wände sehen aus, wie nach einem Brandschaden.

Aber es hat nicht gebrannt! Meistens sind die Außenwände mit einem schwarzen, klebrigen Film überzogen, aber auch die Innenwände haben was abbekommen. Was ist bloß passiert?
Diese Frage stellen sich die Wohnraumexperten seit mehreren Jahren immer öfter.

Wie aus dem heiteren Himmel werden frisch renovierte Wohnungen innerhalb von Tagen oder Wochen grau-schwarz.
Wenn Kerzenabbrand, Staub oder Schimmelpilzbefall ausgeschlossen werden können, handelt es sich vermutlich um einen so genannten Fogging-Effekt.

Verantwortlich für diese grau-schwarzen Verfärbungen sind schwerflüchtige organische Verbindungen, die aus verschiedenen Baustoffen oder Möbeln ausgasen, sich mit den Staubpartikeln zu größeren Teilchen verbinden und von der Luftströmung getragen, sich an verschiedenen Flächen absetzen. Bei diesen Stoffen handelt es sich meistens um Ester, Alkane Weichmacherverbindungen, Glykolderivate oder Fettsäureester.

Doch was macht diese " Chemie " in unseren Farben? wo doch auf jeder Dose "Umweltfreundlich" und "Lösungsmittelfrei" steht? Gerade das ist der springende Punkt.

Viele Hersteller von Farben, Tapeten, Teppichen oder Reinigungsmitteln ersetzen flüchtige organische Verbindungen ( Lösemittel) durch schwerflüchtige organische Verbindungen. Diese sieden erst über 200°C und brauchen nicht als " Lösemittel" deklariert werden. Das Produkt kann dann werbewirksam als "lösemittelfrei" im Baumarkt angeboten werden. Viele dieser "Schwersieder" gelten als gesundheitsschädlich und können über Jahre aus den Baumaterialien ausgasen.

Wenn Ihre Wohnung nach der Renovierung nicht einer Kohlengrube gleichen soll, so beachten Sie bitte folgendes: bevorzugen Sie beim Renovieren von Innenräumen natürliche Produkte und verzichten Sie nach Möglichkeit auf Vinyltapeten, PVC-Böden, Styropor oder Holznachbildungen.

Setzen Sie nur weichmacherfreie Farben und Lacke ein und beseitigen Sie bauliche Mängel (Wärmebrücken). Dies trägt dazu bei, dass sich die schwarzen Beläge nicht an solchen kalten Stellen absetzen können. Achten Sie auf ein ausgeglichenes Heiz- und Lüftungsverhalten. Die relative Luftfeuchte sollte zwischen 45 und 65 % liegen.
Vermeiden Sie in den Innenräumen Synthetik- oder Kunststoffoberflächen. Diese werden durch die vorbeiströmende Luft elektrostatisch aufgeladen und ziehen den Staub wie ein Magnet an.

Benutzen Sie nur natürliche Reinigungsmittel. Rauchen Sie nicht in Innenräumen und grenzen Sie den Gebrauch von Kerzen und Öllämpchen ein.

Sie gehören zu den Leidtragenden, die den Fogging-Effekt in der eigenen Wohnung schon erfahren haben? Sie suchen Hilfe, weil Sie nicht wissen wie Sie sich verhalten sollen?

Wenden Sie sich an einen Baubiologen in Ihrer Stadt, der schon Erfahrung auf diesem Sektor hat. Nach einer gründlichen Hausbegehung, wird er Ihnen sicherlich sagen welche Sanierungsschritte notwendig sind, und was Sie an Ihrem Wohnverhalten ändern müssen, um die Schwarzfärbungen der Wände künftig zu vermeiden.

Kommen viele Stoffe als Verursacher der Schwärzungen in Frage, so wird der Gutachter Wischproben von den betroffenen Flächen entnehmen und sie in einem Labor untersuchen lassen.

Diese Prüfungen sind manchmal notwendig um festzustellen, oben sich tatsächlich um einen Fogging-Effekt handelt. Untersucht man die Verdachtsstoffe ( Farbe, Tapete, PVC ) ebenfalls, so kann man anhand der Laborergebnisse die genaue Quelle der Verfärbungen ermitteln, um sie bei der nachfolgenden Renovierung zu entfernen.



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